Das schönste VW-Cabrio aller Zeiten

Am 07.12.1976 wurde der erste Golf Cabrio Prototyp von Karmann in Wolfsburg bei VW präsentiert,
1979 begannen die ersten Auslieferungen.
Viele trauerten um das Käfer Cabrio und so recht glaubte niemand an den Erfolg des neuen Modelles



Die ersten Modelle wurden mit 1,5 und 1,6 Litermotoren mit 70 bzw 110 PS ausgestattet.
Bis 1988 waren noch verschiedene Motoren mit bis zu 1.8 Liter Hubraum und 112 PS im Angebot,
die Austattung wurde 1984 erweitert. Neben einem größeren Tank,
Amaturenbrett vom Golf II wurde auch erstmals ein Katalysator angeboten.



Bei vielen dieser frühen Modelle wurden die Plastikverbreiterungen des Facelifts von 1988 nachgerüstet.
Als Motorisierung in den letzen Modellen kommt nur noch der auch aus dem Scirocco
bekannte 1.8 Liter Motor mit G-Kat und 95 PS oder 98 PS zum Einsatz.



Nach 14 Jahren Bauzeit und ca. 390 000 Produzierten Cabrios wird "der Einser" 1993 eingestellt und die Produktionsanlagen bei Karmann in Osnabrück auf das neue Modell das Golf III Cabrioumgestellt.


Besonders beliebt sind heute die letzten Sondermodelle der Classicline
mit Lederausstattung und besonderen Farben sowie das Modell Sportsline
mit Sportfahrwerk, Sportsitzen und speziellen Alufelgen, sowie frühe Modelle im Originalzustand.

SPIEGEL-Bericht vom 23.Januar 2008

Erdbeerkörbchen in Burgunder

Sein Cabrio liebt SPIEGEL-ONLINE-Leser Bastian Föst heiß und innig.
Der bei Connaisseuren wegen des Überrollbügels als "Erdbeerkörbchen" bekannte offene Golf
der ersten Generation hat noch viel vor sich - 300.000 Kilometer sind das Ziel.

Diesmal berichtet Bastian Föst über seinen Golf I Cabrio, Baujahr 1993.

Gehandelt habe ich nicht - mich später darüber geärgert aber auch nicht.
Vor dreieinhalb Jahren kaufte ich einem Unternehmer mein Golf I Cabrio
mit jungfräulichen 70.000 Kilometern auf der Uhr für 5000 Euro ab.
Er schaute mir nach, als ich um die Straßenecke bog und zum Abschied hupte.
Beim Blick in den Rückspiegel war ich mir sicher:
Der Mann hatte Tränen in den Augen.

Wohl zu Recht: Ein schöneres Auto hätte ich auch 1993,
dem letzten Jahr der "Erdbeerkörbchen"-Produktion bei Karmann im Auftrag von VW,
nicht bestellen können: Bis auf ein paar Kekskrümel auf den Rücksitzen
und einem festgeklebten Bonbon auf der Fußmatte hatte ich ein Auto in Neuwagenzustand gekauft.
Seitdem halte ich dem Cabrio die Treue.


8,5 Liter Normalbenzin läuft im Durchschnitt durch die Bosch-Jetronik-Einspritzanlage
in die 1,8 Liter großen Brennräume, die das 98 PS starke Fahrzeug aus dem Drehzahlkeller
- auch für heutige Verhältnisse - adäquat beschleunigen.
Auf der Autobahn sind locker 180 Stundenkilometer drin,
wobei zugegebenermaßen der Lärm ab 140 Kilometern pro Stunde dermaßen zunimmt,
dass man längere Strecken bei dem Tempo eigentlich nur mit Ohrstöpseln zurücklegen sollte.
Eine Unterhaltung mit der Beifahrerin oder Mitfahrern auf den Rücksitzen ist ausgeschlossen.


Sascha Hehn lässt grüßen:

Auberginen-Farben sage ich immer, wenn mich jemand nach der ungewöhnlichen Lackierung des Autos,
offiziell "darkburgundy-perleffect", fragt.
In Kombination mit den leicht grün getönten Scheiben
und den original verbauten Estoril-Alu-Felgen samt 195er-Bereifung
ist der Golf immer noch ein Hingucker.


An den Plastik-Schwellern, die Karmann ab 1987 den Cabrios spendierte,
stören sich eigentlich nur Puristen und Menschen,
die beim Schauen der "Schwarzwaldklinik" Sascha Hehn
mit seinem um die Schultern gebundenen Cashmere-Pulli beneideten.
Der sprang allwöchentlich über den aus Sicherheitsgründen montierten Überrollbügel
in sein etwas dezenter gestyltes Golf Cabrio der ersten Generation.


Sehr gut erhaltene Golf Cabrios sind heute schwer zu finden.
Die meisten wurden von Hobby-Tunern heruntergewirtschaftet und plump tiefer gelegt.
An meinem ist alles original - jedenfalls fast:
Statt des VW-Endtopfes sorgt heute ein Sportauspuff für einen etwas kernigeren
Klang und für die stumpf gewordenen H4-Lampen habe ich Klarglas-Scheinwerfer eingebaut.


Für Wintertauglichkeit sorgt neben der Nordpol-tauglich pulvernden Lüftung
und der meditativ wirkenden Sitzheizung auch das dicke, dreilagige Verdeck.
Wenn es regnet, hört sich das Getrappel der Tropfen an wie in einem Zelt. Und es riecht auch so.


Keine Experimente:

Vandalen hatten die marineblaue PVC-Dachbespannung
vergangenen Sommer in einem Parkhaus in Fetzen geschnitten.
Ich bestand bei der Reparatur auf ein echtes VW-Verdeck,
wieder aus dem praktischen PVC, und nicht aus dem schmutzempfindlichen
- wenn auch zugegeben schöneren - Stoffbezug.


Ich wollte keine Experimente: Mit dieser Verdeckfarbe hatte das Cabrio
schließlich vor 14 Jahren die Karmann-Werkshalle in Osnabrück verlassen.
Mehr als 2000 Euro gingen für die Reparatur beim VW-Händler über den Tresen.
Ein teurer Spaß, vor allem wenn man bedenkt,
dass das einst U-Boot-dichte Verdeck seitdem schwächelt:
Aus meinem Mini-Kofferraum muss ich bei Regen regelmäßig einen See mittlerer Größe herausscheffeln.


Längere Touren sind mit dem Cabrio kein Problem.
Die Serpentinen-Fahrt auf dem San-Bernadino-Pass in Richtung Italien machte richtig Spaß.
Nach der Berg-Etappe durch eisige Luft ein kurzer Stopp im sonnigen Tessin,
um das Verdeck zurückzuklappen. Herrlich.

Auf dem Mailänder Kopfsteinpflaster ließ mich Christopherus dann doch noch im Stich:
Durch das ständige Gerappel, getrieben von eiligen Mailändern in zerbeulten Fiats,
brach die vordere Stoßstange aus der Verankerung.
Seitdem erinnert bei jedem deutschen Schlagloch ein lautes Scheppern an Bella Italia.
Für eine Reparatur müsste die gesamte Stoßstange gewechselt werden. Aber solange die hält ...


Nur einmal blieb der Golf ungewollt stehen.
Die Benzinpumpe hatte nach 170.000 Kilometern ihren Geist aufgegeben.
Bis auf ein leicht unruhiges Standgas läuft heute eigentlich alles rund.
300.000 Kilometer Laufleistung habe ich mir als Ziel gesetzt.
Ein anderes Auto kommt nicht vor die Haustür. Schließlich gilt ein geschlossenes Golf
Cabrio bei vielen als der schönste Golf aller Zeiten - auch bei mir.
Am Erdbeerkörbchen-Henkel habe ich mich beim offenen Fahren noch nie gestört, nur manchmal den Kopf gestoßen.